Sie sind hier: Startseite > Aktuelles > Mandantenbrief

Mandantenbrief
Dezember 2014

« 11/2014 |Ausdrucken Ausdrucken | Mandantenbrief as Word 6.0 -Datei Word-Datei | » 01/2015

Steuertermine

10.12. Umsatzsteuer
Lohnsteuer
Kirchensteuer zur Lohnsteuer
Einkommensteuer
Kirchensteuer
Körperschaftsteuer
Die dreitägige Zahlungsschonfrist endet am 15.12. für den Eingang der Zahlung. Diese Frist gilt nicht für die Barzahlung und die Zahlung per Scheck.

Zahlungen per Scheck gelten erst drei Tage nach Eingang des Schecks bei der Finanzbehörde (Gewerbesteuer und Grundsteuer: bei der Gemeinde- oder Stadtkasse) als rechtzeitig geleistet. Um Säumniszuschläge zu vermeiden, muss der Scheck spätestens drei Tage vor dem Fälligkeitstag vorliegen.

Alle Angaben ohne Gewähr

Vorschau auf die Steuertermine Januar 2015:

12.01. Umsatzsteuer
Lohnsteuer
Kirchensteuer zur Lohnsteuer
Die dreitägige Zahlungsschonfrist endet am 15.01. für den Eingang der Zahlung. Diese Frist gilt nicht für die Barzahlung und die Zahlung per Scheck.

Zahlungen per Scheck gelten erst drei Tage nach Eingang des Schecks bei der Finanzbehörde (Gewerbesteuer und Grundsteuer: bei der Gemeinde- oder Stadtkasse) als rechtzeitig geleistet. Um Säumniszuschläge zu vermeiden, muss der Scheck spätestens drei Tage vor dem Fälligkeitstag vorliegen.

Alle Angaben ohne Gewähr

Fälligkeit der Sozialversicherungsbeiträge Dezember 2014:

Die Beiträge sind in voraussichtlicher Höhe der Beitragsschuld spätestens am drittletzten Bankenarbeitstag eines Monats fällig. Für Dezember ergibt sich demnach als Fälligkeitstermin der 23.12.2014.



Inhalt:

  1. Für Eltern: Ist die Rechtsbehelfsbelehrung der Familienkasse falsch - und was bedeutet dies für meinen Kindergeldbescheid?
  2. Für Eltern: Kein Kindergeld für gewerblich tätige Kinder
  3. Für Unternehmer: Nachträgliche Bildung eines IAB möglich, wenn ein anderer IAB aufgelöst werden muss!
  4. Für GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer: Tantiemerückstellung ist keine verdeckte Gewinnausschüttung
  5. Für Arbeitnehmer: Nicht jedes Kleidungsstück entspricht typischer Berufsbekleidung
  6. Für Arbeitnehmer: Umzugskosten können steuerlich berücksichtig werden
  7. Für Alleinerziehende: Zum Entlastungsbetrag für Alleinerziehende im Jahr der Wiederheirat
  8. Für Unternehmer: Bedeutung der amtlichen AfA-Tabellen
  9. Für Arbeitnehmer: Zum Abzug des beruflich genutzten Arbeitszimmers
  10. Für Erben und Beschenkte: Freibeträge für Inlandsvermögen europarechtswidrig

1. Für Eltern: Ist die Rechtsbehelfsbelehrung der Familienkasse falsch - und was bedeutet dies für meinen Kindergeldbescheid?

Wer gegen einen Bescheid, ganz gleich ob Einkommensteuerbescheid oder Kindergeldbescheid, vorgehen möchte, sollte dies am besten innerhalb der Rechtsbehelfsfrist erledigen. Diese Rechtsbehelfsfrist (oder auch Einspruchsfrist) beträgt regelmäßig einen Monat. In der Praxis wird häufig von vier Wochen gesprochen, doch ein Blick in den Kalender zeigt, dass dies nicht dasselbe ist.

Nach Ablauf der einmonatigen Einspruchsfrist kann ein Bescheid nur noch mit Hilfe einer entsprechenden Korrekturvorschrift geändert werden. Da man jedoch niemals sicher sein kann, ob auch wirklich eine solche Vorschrift auf den Einzelfall zutrifft, ist der Einspruch innerhalb der Rechtsbehelfsfrist immer die beste Lösung. Dazu hat man wie gesagt einen Monat nach Bekanntgabe des Bescheides Zeit.

Lediglich wenn die Rechtsbehelfsbelehrung unrichtig ist, verlängert sich die übliche Einspruchsfrist von einem Monat auf ein Jahr. Im Einzelfall kann das von erheblicher Bedeutung sein, da der entsprechende Bescheid noch wesentlich länger durch den Steuerpflichtigen angegriffen werden kann, auch wenn eine der besagten Korrekturvorschriften im Einzelfall nicht zum Zuge kommen würde. Die Frage, ob eine Rechtsbehelfsbelehrung in Ordnung ist oder nicht, kann daher von enormer Bedeutung sein.

Aktuell muss der Bundesfinanzhof unter dem Aktenzeichen III R 27/14 klären, ob überhaupt eine unrichtige Rechtsbehelfsbelehrung und damit eine Verlängerung der Rechtsbehelfsfrist auf ein Jahr vorliegt. Grund für dieses Verfahren ist eine Rechtsbehelfsbelehrung der Familienkasse. Darin heißt es: „Hinweis: Wenn Sie mit der oben aufgeführten Forderung grundsätzlich nicht einverstanden sind, wenden Sie sich bitte an Ihre zuständige Familienkasse.“

Zum einen wird aus der Formulierung nicht ganz klar, dass es sich hier tatsächlich um die Belehrung über einen Rechtsbehelf handelt. Zum anderen ist eine Rechtsbehelfsfrist nicht genannt. Folglich muss der Bundesfinanzhof klären, ob sich bei entsprechenden Kindergeldbescheiden die Rechtsbehelfsfrist auf ein Jahr verlängert. Wenn dem so wäre, könnten in zahlreichen Fällen noch Kindergeldzahlungen erreicht werden, da insbesondere hier in der Praxis häufig Fristversäumnisse auftreten.

Tipp:

Prüfen Sie daher, wenn die einmonatige Einspruchsfrist bereits abgelaufen ist, Sie aber dennoch gegen den Bescheid der Familienkasse vorgehen wollen, ob eine entsprechende Formulierung auch bei Ihnen vorhanden ist.


nach oben

2. Für Eltern: Kein Kindergeld für gewerblich tätige Kinder

Ein Kind, das das 18. Lebensjahr vollendet hat, wird beim Kindergeld berücksichtigt, wenn es noch nicht das 21. Lebensjahr vollendet hat, nicht in einem Beschäftigungsverhältnis steht und bei der Agentur für Arbeit als Arbeitssuchender gemeldet ist.

Darüber hinaus kommt eine Berücksichtigung als Kindergeld-Kind nur infrage, wenn das Kind für einen Beruf ausgebildet wird oder sich in einer Übergangszeit von höchstens vier Monaten zwischen zwei Ausbildungsabschnitten befindet.

Ebenso ist eine Berücksichtigung im Bereich des Kindergeldes noch möglich, wenn das Kind eine Berufsausbildung mangels Ausbildungsplatz nicht beginnen oder fortsetzen kann oder gerade ein freiwilliges soziales oder ein freiwilliges ökologisches Jahr absolviert wird.

Neben diesen vorgenannten Berücksichtigungsvoraussetzungen kann nur noch Kindergeld gewährt werden, wenn das Kind wegen körperlicher, geistiger oder seelischer Behinderung außer Stande ist, sich selbst zu unterhalten. Voraussetzung ist dabei immer, dass die Behinderung vor Vollendung des 25. Lebensjahres eingetreten ist.

Geregelt sind diese Berücksichtigungsgründe in § 32 Abs. 4 des Einkommensteuergesetzes (EStG). Wichtig sind diese Verwirklichungsvoraussetzungen für einen aktuellen Fall, über den gerade das Thüringer Finanzgericht vom 19.03.2013 (Az: 1 K 757/09) zu entscheiden hatte. Im Urteilssachverhalt ging es um ein Kind, das volljährig war, jedoch das 21. Lebensjahr noch nicht vollendet hatte, allerdings bereits eine gewerbliche Tätigkeit ausübte.

Tatsächlich wurde mit der gewerblichen Tätigkeit jedoch kein Gewinn erzielt, weshalb die Kläger der Meinung waren, dass daher auch weiterhin Kindergeld gezahlt werden muss.

Mit Urteil vom 19.03.2013 hat jedoch das Thüringer Finanzgericht entschieden, dass Eltern das Kindergeld nur beanspruchen können, wenn die konkreten Voraussetzungen des § 32 Abs. 4 EStG erfüllt sind. Dies ist jedoch nicht der Fall, wenn das Kind einer gewerblichen Tätigkeit nachgeht. Ausdrücklich wiesen die erstinstanzlichen Richter dabei darauf hin, dass es vollkommen unerheblich ist, in welchem Umfang sich die gewerbliche Tätigkeit als finanziell erfolgreich erwiesen hat.

Die Begründung dazu: Das Gesetz geht vielmehr davon aus, dass bei einer eigenen Erwerbstätigkeit des Kindes keine Unterhalts- oder auch Familienförderungssituation besteht, die die Zahlung von Kindergeld rechtfertigt. Ob sich das selbstständig tätige Kind hingegen tatsächlich von seiner Erwerbstätigkeit unterhalten kann, soll nach Meinung der Erstinstanzler irrelevant sein.

Exkurs:

Da durchaus als strittig angesehen werden kann, ob in einem solchen Fall der selbstständigen Tätigkeit Kindergeld gewährt wird oder nicht, legten die Eltern erfreulicherweise Revision beim Bundesfinanzhof ein. Unter dem Aktenzeichen III R 9/14 müssen die obersten Finanzrichter der Republik daher klären, ob bei einer selbstständigen Tätigkeit des Kindes Kindergeld gezahlt werden kann. Darüber hinaus muss weiterhin geklärt werden, ob es darauf ankommt, ob das Kind mit seiner selbstständigen Tätigkeit positive Einkünfte erzielt, und daher tatsächlich in der Lage ist, sich selbst zu unterhalten.


Tipp:

Betroffene Eltern, deren Kinder sich in einer ähnlichen Situation befinden, sollten unter Verweis auf das anhängige Verfahren Kindergeld beanspruchen. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird dieser Kindergeldantrag abschlägig beschieden, jedoch sollte dann gegen den Ablehnungsbescheid des Kindergelds abermals unter Verweis auf das anhängige Verfahren beim Bundesfinanzhof Einspruch eingelegt werden.


nach oben

3. Für Unternehmer: Nachträgliche Bildung eines IAB möglich, wenn ein anderer IAB aufgelöst werden muss!

Zunächst einmal zur Klarstellung: Die Abkürzung IAB steht für den sperrigen steuerlichen Begriff Investitionsabzugsbetrag. Mittels Investitionsabzugsbetrag können Unternehmer bis zu 40 % der geplanten Anschaffungs- und Herstellungskosten einer Investition bereits in Jahren vor der eigentlichen Investition steuermindernd geltend machen. Auf diese Art und Weise können im Rahmen einer Investition bereits Steuern zu einer Zeit gespart werden, in der die Investition selbst noch nicht getätigt wurde. Die so erzielte Steuerersparnis kann schließlich wieder für das Investment selber genutzt werden. Soweit zum Hintergrund des Investitionsabzugsbetrags.

Damit ein solcher Investitionsabzugsbetrag jedoch auch tatsächlich gebildet werden kann, müssen zahlreiche Voraussetzungen erfüllt werden. So zum Beispiel bestimmte Größenvoraussetzungen des Betriebes, die an dieser Stelle jedoch nicht näher thematisiert werden sollen.

Daneben muss zum Zeitpunkt der Bildung eines Investitionsabzugsbetrages auch bereits die geplante Investition ihrem Wesen nach bestimmt werden. Dies bedeutet: Der Unternehmer muss angeben, was er anzuschaffen bzw. herzustellen plant. Dabei ist es wichtig, dass diese Angabe konkret ausfällt, wobei es jedoch vorwiegend darauf ankommt, dass die geplante Anschaffung ihrem Wesen nach korrekt bezeichnet ist. Wenn daher beispielsweise ein Unternehmer angibt, den Investitionsabzugsbetrag für eine Bohrmaschine der Marke A gebildet zu haben, ist es irrelevant, wenn er nachher eine Bohrmaschine der Marke B kauft. In beiden Fällen handelt es sich um Bohrmaschinen, weshalb das Wesen der geplanten Investitionen korrekt beschrieben vor.

Problematisch ist es jedoch, wenn der Unternehmer beispielsweise angibt einen Kleintransporter erwerben zu wollen, und im Endeffekt schließlich ein Kipplaster angeschafft wird. Hier könnte sich das Finanzamt auf den Standpunkt stellen, dass nicht ein wesensgleiches Wirtschaftsgut angeschafft worden ist und somit der Investitionsabzugsbetrag im Jahr der Bildung rückgängig gemacht werden muss. Dies führt selbstverständlich zu einer steuerlichen Belastung, weshalb der Fiskus pingelig darauf achten wird, dass auch das Wirtschaftsgut angeschafft wird, für das ein Investitionsabzugsbetrag gebildet wurde. In der Praxis war dies häufig ein Problem.

Aktuell ist dem Finanzamt jedoch durch eine Entscheidung des Sächsischen Finanzgerichts vom 15.07.2014 unter dem Aktenzeichen 6 K 824/14 der Wind aus den Segeln genommen. Die Richter entschieden nämlich: „Ist in einem formell bestandskräftig gewordenen Steuerbescheid oder Gewinnfeststellungsbescheid ein Investitionsabzugsbetrag für die geplante Anschaffung eines bestimmten Wirtschaftsguts gewinnmindernd berücksichtigt worden und wird dieser Bescheid nunmehr wegen Nichtanschaffung dieses Wirtschaftsguts innerhalb des zulässigen Investitionszeitraums (…) geändert, so kann der Steuerpflichtige zur Kompensation dieser Gewinnerhöhung einen Investitionsabzugsbetrag für ein anderes begünstigtes Wirtschaftsgut geltend machen, das er innerhalb des zulässigen Investitionszeitraums tatsächlich angeschafft und für das er ursprünglich keinen Investitionsabzugsbetrag geltend gemacht hat.“

Ganz deutlich führen die Richter aus: „Der Investitionsabzugsbetrag gehört zu den zeitlich unbefristeten Wahlrechten, die formell bis zum Eintritt der Bestandskraft derjenigen Steuerfestsetzung ausgeübt werden können, auf die sie sich auswirken sollen. Eine nachträgliche Wahlrechtsausübung kommt nicht nur dann in Betracht, wenn die Änderung der Steuerfestsetzung bzw. der Gewinnfeststellung verfahrensrechtlich durchgängig, z.B. wegen eines Vorbehalts der Nachprüfung, bis zu dem Zeitpunkt der Geltendmachung des Investitionsabzugsbetrags möglich ist, sondern auch dann, wenn der Bescheid zwischenzeitlich formell bestandskräftig war, nunmehr aber wegen einer Gewinnerhöhung infolge eines Änderungsbescheids einen Korrekturrahmen (…) bietet.“

Für unseren Sachverhalt bedeutet dies: Wurde ein Investitionsabzugsbetrag für einen Kleintransporter gebildet und tatsächlich ein Kipplaster angeschafft, muss zwar der Investitionsabzugsbetrag für den Kleintransporter rückgängig gemacht werden, jedoch kann im gleichen Zug ein gewinnmindernder Investitionsabzugsbetrag für den tatsächlich angeschafften Lkw gebildet werden.

Auf diese Weise kann die Steuernachzahlung aus der Rückgängigmachung des Investitionsabzugsbetrages kompensiert werden und es kommt gegebenenfalls lediglich zu einem Zinsanspruch aufgrund der Rückgängigmachung. Im Wesentlichen hat der Unternehmer damit jedoch ein deutlich größeres Gestaltungspotenzial zur Verfügung.

nach oben

4. Für GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer: Tantiemerückstellung ist keine verdeckte Gewinnausschüttung

Jeder Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH kennt das Damoklesschwert der verdeckten Gewinnausschüttung. Unter einer verdeckten Gewinnausschüttung ist dabei (vereinfacht gesagt) eine Vermögensminderung oder verhinderte Vermögensmehrung zu verstehen, die durch das Gesellschaftsverhältnis veranlasst ist und sich auf den Gewinn auswirkt. Zusätzlich darf kein Zusammenhang mit einer offenen Ausschüttung des Gewinns bestehen.

Insbesondere bei beherrschenden Gesellschafter-Geschäftsführern sind die Regeln noch strenger. Zum einen müssen sämtliche Vereinbarungen zwischen ihnen und der Gesellschaft im Vorhinein abgeschlossen und sie müssen auch tatsächlich ernstlich gewollt gewesen sein. Insbesondere, wenn später nicht nach dem Vereinbarten verfahren wird, geht der Fiskus regelmäßig davon aus, dass die Vereinbarung nicht ernstlich gewollt gewesen ist. Im Ergebnis werden entsprechende Zahlungen aufgrund einer solchen Vereinbarung, die auch zu einer Gewinnminderung geführt haben, als verdeckte Gewinnausschüttung behandelt.

So wollte der Fiskus auch in einem Fall vor dem Finanzgericht Köln vorgehen. Im Sachverhalt hatten die Gesellschafter-Geschäftsführer neben ihren festen Bezügen auch zusätzlich eine erfolgsabhängige Tantieme vereinbart. Als die Tantieme jedoch fällig wurde, waren die wirtschaftliche Lage und insbesondere die Liquidität der GmbH nicht gerade rosig, weshalb auf eine vereinbarungsgemäße Auszahlung der Tantieme verzichtet wurde.

Vielmehr wurde eine gewinnmindernde Rückstellung für die Tantieme gebildet, damit bei einer Aufbesserung der Liquidität sowie einer Besserung der wirtschaftlichen Lage der Gesellschaft die Tantieme noch ausgezahlt werden kann.

Tatsächlich kam es auch später zu einer ratierlichen Teilauszahlung der Tantieme. Was sich wirtschaftlich durchaus sinnvoll anhört, stieß beim Finanzamt jedoch unschön auf. So sah der Fiskus sowohl in der Rückstellung der Tantieme als auch in der späteren Teilauszahlung einen Verstoß gegen das Durchführungsgebot für Vereinbarungen zwischen der Gesellschaft und ihrem Gesellschafter-Geschäftsführer.

In der Vereinbarung war nämlich weder eine Stundung noch eine Teilzahlungsmöglichkeit der Tantieme vorgesehen, so dass der Fiskus davon ausging, dass die ursprüngliche Tantiemevereinbarung nicht ernstlich gewollt gewesen ist. Das Finanzamt bewertete die Rückstellung kurzerhand als verdeckte Gewinnausschüttung.

Erfreulicherweise erließ jedoch das erstinstanzliche Finanzgericht Köln in seiner rechtskräftigen Entscheidung vom 28.04.2014 (Az: 10 K 564/13) eine deutlich lebensnäheres Urteil. So meinten die Richter, dass aus einer verspäteten bzw. ratierlichen Auszahlung der Tantieme im Rahmen einer wirtschaftlich schwierigen Geschäftssituation der Gesellschaft nicht davon ausgegangen werden kann, dass die ursprüngliche Tantiemevereinbarung nicht ernstlich gewollt gewesen ist.

Faktisch liegt zwar ein Verstoß gegen das Durchführungsgebot vor, dieser führt jedoch im hier entschiedenen Einzelfall nicht zur Annahme einer verdeckten Gewinnausschüttung. Daraus folgt: Allein aus der verspäteten und dann ratierlichen Auszahlung einer Tantieme kann nicht darauf geschlossen werden, dass die Vereinbarung nicht ernstlich gewollt gewesen ist. Immerhin konnte im hier abgeurteilt Sachverhalt klar dargelegt werden, dass die Stundung und ratierliche Auszahlung der Tantieme lediglich der schlechten Liquiditätssituation der GmbH geschuldet war. Aller Wahrscheinlichkeit nach hätte sich auch ein fremder Geschäftsführer mit der Stundung von Gehaltsansprüchen einverstanden erklärt, wenn ansonsten die Auszahlung der Tantieme das wirtschaftliche Überleben der GmbH infrage stellen würde und damit auch weitere Gehaltsansprüche vernichtet gewesen wären.

Exkurs:

Insgesamt führt die Entscheidung jedoch nicht dazu, dass jeder Verstoß gegen das Durchführungsgebot einer Vereinbarung zwischen GmbH und Gesellschafter-Geschäftsführer unbeachtlich ist. Alles in allem müssen immer die Umstände des Einzelfalles betrachtet und auch da sämtliche Umstände gewürdigt werden. Gegebenenfalls könnte es nämlich sein, dass die Stundung des Tantiemeanspruchs auch noch aus einem anderen Grund dazu führt, dass man die Tantiemevereinbarung als nicht ernsthaft gewollt ansehen kann. In der Vielzahl der Fälle wird das Urteil jedoch eine erhebliche Erleichterung in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sein, weshalb Gesellschafter-Geschäftsführer darauf zurückgreifen sollten.


nach oben

5. Für Arbeitnehmer: Nicht jedes Kleidungsstück entspricht typischer Berufsbekleidung

Ein Werbungskostenabzug für Berufsbekleidung liegt dann vor, wenn die Voraussetzungen des § 9 Einkommensteuergesetz (EStG) erfüllt sind und neutral beurteilt werden kann, dass die angeschaffte Kleidung ausschließlich beruflichen Zwecken dient.

So zum Beispiel in handwerklichen Berufsgruppen: Schutzkleidung, die der Arbeitnehmer selber anschafft, ist regelmäßig bei der typischen Berufskleidung einzuordnen, weshalb die Kosten dafür steuermindernd angesetzt werden können.

Die Anschaffung von Arbeitsschuhen mit Stahlkappen oder die Anschaffung eines Blaumanns ist unzweifelhaft der erwirtschafteten Einkunftsart zuzuordnen und führt daher direkten Weges zum begehrten Werbungskostenabzug. Bei dieser Art von Berufskleidung werden in der Regel auch keine Rückfragen der Finanzverwaltung kommen.

Da es bei der oben erwähnten Berufsgruppe eine eindeutige Zuordnung gibt, könnte man auf die Idee kommen, dass es in jedem Berufsfeld typische Arbeitskleidung gibt. Beispielsweise ist bei Berufsgruppen wie Rechtsanwälten, Steuerberatern, Bankern oder sonstigen typischen Büroberufen die regelmäßige Berufskleidung der Anzug bzw. das Kostüm. Also könnte man meinen, dass auch der Anzug, die Krawatte, die Lackschuhe oder das Businesskostüm der Damen samt Pumps und all das, was typischer Weise im Büro getragen wird, dem Werbungskostenabzug unterliegt.

Dem ist aber nicht so! Das Finanzgericht Hamburg entschied mit Urteil vom 26.03.2014 (Az: 6 K 231/12), dass es bei den zuletzt genannten Berufsgruppen keine typische Arbeitskleidung gibt. Denn Kleidungsstücke wie ein Anzug oder eine Krawatte entsprechen sowohl bürgerlicher Kleidung als auch der Business-Kleidung. Aus diesem Grund seien Anzüge oder ähnliches der privaten Lebensführung zuzuordnen und keine typische Berufskleidung die zum Werbungskostenabzug berechtigt, da hierbei keine genaue Abgrenzung vorgenommen werden kann.

Exkurs:

Auch wenn das Ergebnis für uns Bürohengste sehr zu bedauern ist, ist dies doch die regelmäßige Rechtsprechung bis hinauf zum Bundesfinanzhof. Wie werden uns wohl daher damit abfinden müssen.


nach oben

6. Für Arbeitnehmer: Umzugskosten können steuerlich berücksichtig werden

Umzugskosten können den Charakter von Werbungskosten haben, sofern sie dem Erhalt und der Sicherung der Einnahmen dienen. Doch was ist genau unter dieser Gesetzesauslegung zu verstehen? Dies wird in diesem Beitrag schnell erläutert.

Umzugskosten können in der Steuererklärung unter anderem dann steuermindernd angesetzt werden, wenn eine erhebliche Verkürzung der Wegzeiten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz erreicht wird. Von einer solchen erheblichen Verkürzung spricht der Fiskus ab einer Ersparnis von mindestens einer Stunde. Um einen Abzug vornehmen zu können, ist ein Wohnortwechsel nicht unbedingt nötig. Auch ein nicht zwingender Arbeitsplatzwechsel ist ausreichend. Daher können die Aufwendungen, die im Zusammenhang mit einer freiwilligen Versetzung an einen anderen Arbeitsplatz stehen, steuermindernd angesetzt werden.

Die Kosten für Umzüge sind in der Praxis häufig nicht einfach nachzuhalten. Denn zum einen müsste ein genauer Nachweis über die gefahrenen Kilometer vorliegen, und zum anderen müssten sämtliche Rechnungen aufbewahrt werden, die im Zusammenhang mit dem beruflichen Umzug standen. Häufig fehlt es jedoch an genauen Nachweisen oder dem konkreten Nachweis der beruflichen Veranlassung. An dieser Stelle kommt das Bundesumzugskostengesetz ins Spiel, welches Umzugspauschalen bietet, bis zu deren Höhe bei einem beruflich veranlassten Umzug die Kosten problemlos abgezogen werden können.

Die im Bundesumzugskostengesetz angegebenen Pauschalen können von jedem Steuerpflichtigen als Werbungskosten angesetzt werden, sofern der Umzug im Zusammenhang mit Einkünften steht. Die berufliche Veranlassung ist also die Grundvoraussetzung. Die Pauschalen sind aktuell rückwirkend zum 01.03.2014 geändert worden. Die alte Regelung vom 01.10.2012 ist nur noch für Umzüge bis zum 28.02.2014 anzuwenden.

Im Folgenden sind die neuen Umzugsauslagen aufgeführt:

  • Für Verheiratete können ab dem 01.03.2014 1.429 Euro abgezogen werden. Die Pauschale erhöht sich zum 01.03.2015 auf 1.460 Euro

  • Ledige können ab dem 01.03.2014 eine Pauschale von 715 Euro geltend machen, ab dem 01.03.2015 wird diese Pauschale auf 730 Euro erhöht.

  • Die Beträge erhöhen sich, sofern zum Zeitpunkt des Umzuges eine weitere Person im Haushalt gemeldet ist. Dazu gehören insbesondere Kinder und Pflegekinder. Ab dem 01.03.2014 können dann weitere 315 Euro steuermindernd abgezogen werden, ab dem 01.03.2015 sogar 322 Euro.

Exkurs:

Der Arbeitgeber kann die Aufwendungen für den Umzug übernehmen und dem Arbeitnehmer die entstanden Aufwendungen lohnsteuer- und sozialversicherungsfrei erstatten. In diesem Fall kann kein Werbungskostenabzug beim Arbeitnehmer vorgenommen werden.


nach oben

7. Für Alleinerziehende: Zum Entlastungsbetrag für Alleinerziehende im Jahr der Wiederheirat

Gemäß der gesetzlichen Regelung in § 24b des Einkommensteuergesetzes (EStG) können allein stehende Steuerpflichtige einen Entlastungsbetrag in Höhe von 1.308 Euro im Kalenderjahr vor der Summe der Einkünfte abziehen, wenn zu ihrem Haushalt mindestens ein Kind gehört, für das ihnen einen Kinderfreibetrag oder das Kindergeld zusteht. Die Zugehörigkeit zum Haushalt ist dabei grundsätzlich anzunehmen, wenn das Kind in der Wohnung des allein stehenden Steuerpflichtigen gemeldet ist.

Alleinstehende im Sinne dieser Vorschrift sind regelmäßig Steuerpflichtige, die nicht die Voraussetzung für die Anwendung des Splittingverfahrens im Sinne von § 46 Abs. 1 des EStG erfüllen oder verwitwet sind und keine Haushaltsgemeinschaft mit einer anderen volljährigen Person bilden, es sei denn, für diese steht Ihnen wiederum ein Kinderfreibetrag oder Kindergeld zu.

Weiterhin ist im Einkommensteuergesetz, genau in § 24b Abs. 3 EStG, geregelt, dass für jeden Kalendermonat, in dem die oben bereits geschilderten Voraussetzungen nicht vorgelegen haben, sich der Entlastungsbetrag um ein Zwölftel verringert.

Dementsprechend sollte es eigentlich logisch sein, dass ein zunächst Alleinerziehender und auch Alleinlebender im Jahr der Wiederheirat mindestens einen zeitanteiligen Entlastungsbetrag für Alleinerziehende enthält.

Dennoch wollte das Finanzamt diesen nicht gewähren und ließ sich auch von der erstinstanzlichen Niederlage vor dem Finanzgericht Baden-Württemberg mit Urteil vom 05.05.2014 unter dem Aktenzeichen 6 K 2001/13 nicht einschüchtern.

Daher muss nun aktuell der Bundesfinanzhof in München unter dem Aktenzeichen III R 17/14 entscheiden, ob ein zeitanteiliger Entlastungsbetrag für Alleinerziehende im Jahr der Wiederheiratet bei Wahl der besonderen Veranlagung gewährt werden kann oder nicht.

Tipp:

Entsprechend der aus unserer Sicht vollkommen klaren Gesetzeslage sollten Betroffene gegen die Nichtgewährung des Entlastungsbetrags für Alleinerziehende Einspruch einlegen und unter Verweis auf die höchstrichterliche Klärung die eigene Verfahrensrüge beantragen.


nach oben

8. Für Unternehmer: Bedeutung der amtlichen AfA-Tabellen

Bis dato waren Unternehmer nach Auffassung der Finanzverwaltung stets an die amtlichen Abschreibungstabellen gebunden. Ein Abweichen von diesen Vorgaben in Sachen Nutzungsdauer war beim Finanzamt nicht gerne gesehen.

Zum Hintergrund: Die Abschreibungstabellen der Finanzverwaltung beruhen auf Erfahrungswerten. Die Abschreibung eines Wirtschaftsgutes soll sich am technischen Verschleiß, der wirtschaftlichen Entwertung und den rechtlichen Gegebenheiten orientieren. Denn genau diese Gegebenheiten können im Einzelfall die tatsächliche Nutzungsdauer eines Gegenstands erheblich beeinflussen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine Immobilie oder um ein mobiles Wirtschaftsgut handelt.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass Steuerpflichtige die Abschreibungstabellen als das elfte Gebot hinnehmen müssen. In diesem Sinne erging auch die aktuelle Entscheidung des Niedersächsischen Finanzgerichts mit Urteil vom 09.07.2014 unter dem Aktenzeichen 9 K 98/14.

Aus Sicht der Finanzverwaltung sind die Abschreibungstabellen des Bundesfinanzministeriums eine Dienstanweisung und müssen befolgt werden. Dies bedeutet auch, dass die AfA-Tabellen die Nutzungsdauer eines Wirtschaftsguts im Einzelfall vertretbar abbilden, weshalb insoweit die Finanzverwaltung an die Werte der Abschreibungstabelle im Rahmen einer tatsächlichen Verständigung gebunden ist. Ein Abweichen von den Vorgaben hin zu einer längeren Nutzungsdauer ist also aus Sicht des Fiskus grundsätzlich nicht möglich.

Anders ist es hingegen aus Sicht des Steuerpflichtigen: Da dieser nicht an die Dienstanweisung des Bundesfinanzministeriums gebunden ist, weil eine solche Verwaltungsanweisung keinen Gesetzescharakter innehat, kann er auch von den Abschreibungstabellen abweichen. Dies gilt sowohl im Hinblick auf eine längere als auch bei einer kürzeren Nutzungsdauer.

Insbesondere im Rahmen der Annahme einer kürzeren Nutzungsdauer muss jedoch auch tatsächlich und nachvollziehbar dargelegt werden, dass die zeitliche Nutzungsmöglichkeit wirklich hinter den Angaben in den AfA-Tabellen zurück bleibt. Hier trägt der Steuerpflichtige die Beweislast.

Tipp:

In der Praxis wird es daher regelmäßig problembehaftet sein, eine kürzere Nutzungsdauer objektiv nachvollziehbar zu untermauern. Dies kann regelmäßig anhand eines Gutachtens geschehen, jedoch wird es auch zahlreiche Wirtschaftsgüter geben, bei denen sich ein Gutachten schlicht nicht lohnen wird. Da ein Gutachten jedoch keine zwingende Voraussetzung ist, müssen solche Sachverhalte besonders gut argumentativ untermauert werden.


nach oben

9. Für Arbeitnehmer: Zum Abzug des beruflich genutzten Arbeitszimmers

Steuerpflichtige, die auch von zu Hause arbeiten, kennen das Problem. Der ewige Streit mit dem Fiskus, in dem es immer wieder darum geht, ob ein Arbeitszimmer vorliegt oder nicht. Ein weiterer Streitpunkt in diesem Zusammenhang wird dann meist dadurch hervorgerufen, dass die Art des Arbeitszimmers bestimmt werden muss. Unterliegt das Arbeitszimmer der Abzugsbeschränkung mit jährlich 1.250 Euro oder tritt keine Abzugsbeschränkung in Kraft?

Hierzu hat der Bundesfinanzhof mit Urteil vom 23.05.2006 (Az: VI R 21/03) eine klare Regelung getroffen: Wenn ein häusliches Arbeitszimmer zweifellos als solches genutzt wird, also ausschließlich gedanklicher, schriftlicher und verwaltungstechnischer Arbeiten dient, liegt die Grundvoraussetzung für die Anerkennung eines häuslichen Arbeitszimmers vor. Weitere Voraussetzung ist, dass kein anderer Arbeitsplatz vom Arbeitgeber zur Verfügung stehen darf.

Dies führt dazu, dass aufgrund der Rechtsprechung folgende Grundfälle zu unterscheiden sind:

  • Wird die berufliche Tätigkeit ausschließlich von zu Hause ausgeübt, ist der Fall klar und unproblematisch: Das Arbeitszimmer stellt in diesem Fall den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit dar. Ein unbegrenzter Werbungskostenabzug ist die Folge.

  • Ebenfalls entschied der BFH im oben angegeben Urteil, dass, wenn das Arbeitszimmer an mindestens drei Tagen die Woche aufgesucht wird, ein kompletter Abzug der Raumkosten in Frage kommt. Lediglich wenn die im häuslichen Arbeitszimmer erledigten Arbeiten qualitativ hinter dem zurück bleiben, was üblicherweise auch im Büro erledigt wird, scheitert der unbegrenzte Abzug. Ist die Arbeit, die im Arbeitszimmer ausgeführt wird, minderwertiger als die Arbeit, die üblicherweise im Büro verrichtet wird, müssen die Kosten auf jährlich 1.250 Euro begrenzt werden.

  • Falls an nur zwei Tagen im Arbeitszimmer gearbeitet wird, kommt es drauf an, ob der vom Arbeitgeber bereitgestellte Arbeitsplatz auch in dieser Zeit genutzt werden könnte. Falls die Nutzung des Büros nicht eingeschränkt oder untersagt ist, besteht keine Möglichkeit, einen Werbungskostenabzug vorzunehmen. Anders gesagt: Es kann nur bei eingeschränkter Büronutzung beim Arbeitgeber ein auf 1.250 Euro gedeckelter Werbungskostenabzug vorgenommen werden. So entschieden die obersten Richter in einem aktuellen Urteil vom 26.02.2014 (Az: VI R 40/12).

nach oben

10. Für Erben und Beschenkte: Freibeträge für Inlandsvermögen europarechtswidrig

Grundsätzlich erfasst das Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz lediglich Fälle, bei denen der Erblasser bzw. Schenker oder der Erwerber des Vermögens in der Bundesrepublik Deutschland ansässig ist. Diese Fälle bezeichnet man im Bereich der Erbschaft- und Schenkungsteuer als unbeschränkte Steuerpflicht.

Sofern jedoch weder der Erblasser bzw. Schenker zur Zeit des Todes bzw. der Schenkung und auch nicht der Erwerber zur Zeit der Entstehung der Steuer in der Bundesrepublik Deutschland ansässig gewesen ist, fällt der anzuwendende Freibetrag deutlich geringer aus, wenn im Rahmen dieser Erbschaft bzw. Schenkung auch in Deutschland belegenes Vermögen übertragen wird. Man spricht in solchen Fällen von einer beschränkten Steuerpflicht im Erbschaft- und Schenkungsteuerrecht. Diese ist beispielsweise regelmäßig der Fall, wenn in Deutschland Immobilien gehalten werden, die Familien jedoch mittlerweile im Ausland leben. Exakt in solchen Fällen wurde gerade höchstrichterlich ein Verstoß gegen europäisches Recht seitens der Bundesrepublik Deutschland festgestellt.

Mit Entscheidung vom 04.09.2015 hat der Europäische Gerichtshof unter dem Aktenzeichen C-211/13 entschieden, dass die Bundesrepublik Deutschland mit der Gewährung eines geringeren Freibetrags in Fällen der beschränkten Steuerpflicht gegen die Kapitalverkehrsfreiheit zwischen den Mitgliedstaaten der Europäischen Union sowie zwischen den Mitgliedstaaten und Drittländern verstößt.

Zum Hintergrund: Ist entweder der Erblasser bzw. Schenker oder der Erwerber des Vermögens in Deutschland ansässig (unbeschränkte Steuerpflicht) greifen die allgemeinen Freibeträge des § 16 Abs. 1 Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz (ErbStG).

So sind beispielsweise Erwerbe unter Ehegatten und unter Lebenspartnern in Höhe von 500.000 Euro steuerfrei. Erwerben die Kinder das Vermögen, steht immerhin noch ein Freibetrag von 400.000 Euro zur Verfügung. Die weiteren Freibeträge staffeln sich dann nach der Steuerklasse und dem persönlichen Verhältnis zwischen Erblasser bzw. Schenker und Erwerber.

Diese Freibeträge greifen jedoch nach § 16 Abs. 2 ErbStG nicht, wenn der Erblasser bzw. Schenker und der Erwerber in einem anderen Mitgliedstaat ansässig sind und nur in Deutschland belegenes Vermögen übergeht. In solchen Fällen der beschränkten Steuerpflicht soll vollkommen unabhängig von Steuerklasse und persönlichem Verhältnis immer ein Freibetrag von lediglich 2.000 Euro greifen. Wäre hingegen nur einer der Beteiligten in Deutschland ansässig gewesen, könnten die hohen Freibeträge des § 16 Abs. 1 ErbStG in Anspruch genommen werden. Insbesondere im Hinblick auf in der Bundesrepublik Deutschland belegenes Immobilienvermögen muss der Freibetrag von 2.000 Euro als nahezu lächerlich gering bezeichnet werden. Es wundert daher wenig, dass ein entsprechendes Klageverfahren vor dem Europäischen Gerichtshof angestrengt wurde. Mit Hinblick auf den geschilderten Ausgang wird die Bundesrepublik Deutschland die Regelung ändern und auch in den angesprochenen Fällen die deutlich höheren Freibeträge des § 16 Abs. 1 ErbStG steuermindernd anerkennen müssen.

nach oben


Hinweis: Die in diesem Mandantenbrief enthaltenen Beiträge sind nach bestem Wissen und Kenntnisstand verfasst worden. Sie dienen nur der allgemeinen Information und ersetzen keine qualifizierte Beratung in konkreten Fällen. Eine Haftung für den Inhalt dieses Informationsschreibens kann daher nicht übernommen werden.


nach oben