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Mandantenbrief
September 2008

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Steuertermine

10.09. Umsatzsteuer
Lohnsteuer
Kirchensteuer zur Lohnsteuer
Einkommensteuer
Kirchensteuer
Körperschaftsteuer
Getränkesteuer
Vergnügungsteuer
Die dreitägige Zahlungsschonfrist endet am 15.09. für den Eingang der Zahlung. Diese Frist gilt nicht für die Barzahlung und die Zahlung per Scheck.

Zahlungen per Scheck gelten erst drei Tage nach Eingang des Schecks bei der Finanzbehörde als rechtzeitig geleistet. Um Säumniszuschläge zu vermeiden, muss der Scheck spätestens drei Tage vor dem Fälligkeitstag dem Finanzamt vorliegen.

Alle Angaben ohne Gewähr

Vorschau auf die Steuertermine Oktober 2008:

10.10. Umsatzsteuer
Lohnsteuer
Kirchensteuer zur Lohnsteuer
Getränkesteuer
Vergnügungsteuer
Die dreitägige Zahlungsschonfrist endet am 13.10. für den Eingang der Zahlung. Diese Frist gilt nicht für die Barzahlung und die Zahlung per Scheck.

Zahlungen per Scheck gelten erst drei Tage nach Eingang des Schecks bei der Finanzbehörde als rechtzeitig geleistet. Um Säumniszuschläge zu vermeiden, muss der Scheck spätestens drei Tage vor dem Fälligkeitstag dem Finanzamt vorliegen.

Alle Angaben ohne Gewähr

Fälligkeit der Sozialversicherungsbeiträge September 2008:

Die Beiträge sind in voraussichtlicher Höhe der Beitragsschuld spätestens am drittletzten Bankenarbeitstag eines Monats fällig. Für September ergibt sich demnach als Fälligkeitstermin der 26.09.2008.



Inhalt:

  1. Alle Steuerpflichtigen: Steuer-Identifikationsnummer kommt
  2. Alle Steuerpflichtigen: Musterverfahren bei Unterhaltszahlungen an die Eltern
  3. Alle Steuerpflichtigen: Einsprüche gegen Soli-Zuschlag und die Besteuerung von Kapitaleinkünften werden einheitlich zurückgewiesen
  4. Gesellschafter-Geschäftsführer: Barabfindung statt laufender Rentenzahlung
  5. Eltern: Neues Verfahren zum Kindergeld bei studierenden Kindern
  6. Eltern: Mehr Elterngeld durch Steuerklassenwahl
  7. Vermieter: Einkunftserzielungsabsicht bei Zeitmietverträgen
  8. Kapitalanleger: Steuervorteil durch Verschiebung von Kapitalerträgen

1. Alle Steuerpflichtigen: Steuer-Identifikationsnummer kommt

Schon vor Jahren sind die gesetzlichen Voraussetzungen für die Erteilung der sogenannten Steuer-Identifikationsnummer (Steuer-ID) geschaffen worden, die die bisher für die Einkommensteuer verwendete Steuernummer ersetzen soll. Bislang bestanden aus technischer Sicht Schwierigkeiten, weshalb dieses fiskalische „Brandzeichen“ größtenteils noch nicht ausgegeben wurde. Diese Schwierigkeiten sollen mittlerweile behoben sein. Seit dem 01.08.2008 ist das Bundeszentralamt für Steuern mit der Vergabe der Steuer-ID beschäftigt. Spätestens bis Ende des Jahres 2008 soll ein jeder Bundesbürger mit einer Identifikationsnummer ausgestattet sein. Auch Sie werden demnach bis Ende des Jahres ein persönliches Mitteilungsschreiben erhalten, in dem Ihnen Ihre Steuer-ID und die gespeicherten Eckdaten mitgeteilt werden.

Die Steuer-ID wird an jede natürliche Person ausgegeben, die entweder ihren Hauptwohnsitz oder ihren alleinigen Wohnsitz in der Bundesrepublik Deutschland hat. Die Erteilung der Nummer wird künftig bereits bei der Geburt erfolgen und den jeweiligen Steuerpflichtigen sein Leben lang begleiten.

Die Steuer-ID besteht insgesamt aus 11 Ziffern, welche keinerlei Rückschlüsse auf die Person oder die persönlichen Merkmale des Steuerpflichtigen preisgeben sollen.

Folgende Daten stehen hinter der Steuer-ID: Familienname, frühere Namen, Vornamen, Doktorgrad, Tag und Ort der Geburt, Geschlecht, gegenwärtige oder letzte bekannte Anschrift, zuständige Finanzbehörden, ggf. Sterbetag (die Identifikationsnummer erlischt erst 20 Jahre nach dem Tod, damit das Besteuerungsverfahren gegenüber den Erben oder Gesamtrechtsnachfolgern fortgesetzt und abgeschlossen werden kann).

Die Steuer-ID soll die eindeutige Identifizierung von Steuerpflichtigen ermöglichen und dadurch dem Finanzamt das Handling mit den verschiedenen Steuerpflichtigen, insbesondere im Einkommensteuerverfahren, vereinfachen. Nicht nur, dass diese Identifikationsnummer die Voraussetzung für die Einführung der elektronischen Lohnsteuerkarte sein soll. Künftig soll es auch möglich sein, dass der Steuerpflichtige bei Abgabe einer elektronischen Einkommensteuererklärung bereits ein hinsichtlich der Stammdaten vorausgefülltes Formular erhält.

Hinweis:

Die Erteilung einer Steuer-ID sollte grundsätzlich mit gemischten Gefühlen betrachtet werden. Zwar sind damit große Erleichterungen verbunden, jedoch wird im Endeffekt abzuwarten sein, ob künftig nicht auch andere Daten (als die oben genannten) unter der Nummer gespeichert werden. So wäre es theoretisch denkbar, dass bei Unternehmern beispielsweise Resultate aus Betriebsprüfungen gespeichert werden, welche diesen dann ein Leben lang verfolgen.

Tipp:

Für eine Übergangszeit sollten Sie ihre bisherige Steuernummer bei Erklärungen und Mitteilungen an die Finanzbehörden zusätzlich zur Steuer-ID mit angeben. So wird die Umstellung von Abläufen und Verfahren in den Finanzämtern erleichtert.


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2. Alle Steuerpflichtigen: Musterverfahren bei Unterhaltszahlungen an die Eltern

Wenn Kinder Unterhaltszahlungen für ihre Eltern leisten, können sie diese dem Grunde nach bis zu einem Betrag von 7.680 EUR im Kalenderjahr als außergewöhnliche Belastung steuermindernd in ihrer Einkommensteuererklärung zum Abzug bringen. Der Betrag von 7.680 EUR vermindert sich jedoch um die eigenen Einkünfte und Bezüge der Eltern, soweit diese einen Betrag von 624 EUR im Kalenderjahr übersteigen.

Im Endeffekt führt dies in vielen Fällen dazu, dass Kinder zwar dem Grunde nach eine außergewöhnliche Belastung zum Abzug bringen können, jedoch aufgrund der Grenzen der eigenen Einkünfte und Bezüge der Eltern der Höhe nach keine steuermindernde Auswirkung mehr zustande kommt. Dieser Fall tritt selbst dann ein, wenn die Einkünfte und Bezüge der Eltern in voller Höhe für Pflegekosten verwendet werden müssen und eine Unterhaltszahlung seitens der Kinder an ihre Eltern erforderlich ist, da die gesamten Einkünfte der Eltern verbraucht sind.

Vorinstanzlich hatte hier bereits das Hessische Finanzgericht in seiner Entscheidung vom 11.04.2008 (Az: 13 K 2035/07) keinerlei Bedenken an dieser Vorgehensweise geäußert. Wegen der grundsätzlichen Bedeutung wurde jedoch die Revision vor dem Bundesfinanzhof zugelassen und seitens der Kläger auch eingelegt (Az. beim Bundesfinanzhof: III R 37/08).

Hinweis:

Sofern in vergleichbaren Sachverhalten ebenfalls Unterhaltszahlungen an die Eltern geleistet werden, welche jedoch der Höhe nach aufgrund der Kürzung mit den Einkünften und Bezügen der Eltern steuerlich keine Auswirkungen zeigen und gleichzeitig die Einkünfte und Bezüge der Eltern vollkommen für die eigene Pflege verbraucht werden, sollte unter Verweis auf das obige Musterverfahren Einspruch eingelegt werden.

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3. Alle Steuerpflichtigen: Einsprüche gegen Soli-Zuschlag und die Besteuerung von Kapitaleinkünften werden einheitlich zurückgewiesen

Mit dem Jahressteuergesetz 2007 wurde für die Finanzverwaltung die Möglichkeit geschaffen, anhängige Masseneinsprüche, die eine vom Europäischen Gerichtshof, vom Bundesverfassungsgericht oder vom Bundesfinanzhof bereits entschiedene Rechtsfrage betreffen und denen nach dem Ausgang des betreffenden Verfahrens nicht abgeholfen werden kann, durch eine Allgemeinverfügung zurückzuweisen. Über diese Gesetzesänderung sollte die Finanzverwaltung in den Genuss einer Arbeitserleichterung kommen, da nicht mehr jeder Einspruch einzeln zurückzuweisen ist.

Mit Verfügungen vom 22.07.2008 haben die obersten Finanzbehörden der Länder nun direkt zwei Masseneinspruchsverfahren zurückgewiesen.

Zum einen wurden alle anhängigen Einsprüche zurückgewiesen, soweit mit diesen geltend gemacht wurde, dass das Solidaritätszuschlaggesetz von 1995 gegen das Grundgesetz verstoße und damit verfassungswidrig sei. Die Allgemeinverfügung lehnt zusätzlich sämtliche Anträge auf Aufhebung einer Solidaritätszuschlagsfestsetzung ab, die außerhalb eines Rechtsbehelfsverfahrens gestellt wurden.

Zum anderen werden alle anhängigen und zulässigen Einsprüche gegen die Festsetzungen der Einkommensteuer sowie gegen gesonderte und einheitliche Feststellungen von Besteuerungsgrundlagen zurückgewiesen, soweit diese die Besteuerung der Einkünfte aus Kapitalvermögen zum Thema haben und diesbezüglich ein Verstoß gegen das Grundgesetz geltend gemacht wurde. Ebenso werden mit dieser Allgemeinverfügung auch sämtliche thematisch identische Anträge außerhalb eines Einspruchs- oder Klageverfahrens zurückgewiesen.

Hinweis:

Ein Einspruch gegen eine Allgemeinverfügung ist ausgeschlossen, jedoch kann Klage vor dem Finanzgericht erhoben werden. Abweichend von der ansonsten geltenden, in der Finanzgerichtsordnung beheimateten, Klagefrist von einem Monat können Klagewillige noch innerhalb eines Zeitraumes von einem Jahr nach Bekanntgabe der jeweiligen Allgemeinverfügung im Bundessteuerblatt ihre Klage fristgerecht einreichen. Allerdings scheinen die Erfolgsaussichten eher gering.

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4. Gesellschafter-Geschäftsführer: Barabfindung statt laufender Rentenzahlung

Die Pensionszusage insbesondere an den Gesellschafter-Geschäftsführer bereitet in der Praxis aus steuerlicher Sicht immer wieder Probleme, so auch in einem aktuell entschiedenen Fall vor dem Bundesfinanzhof in München.

Im Sachverhalt stand einem zu 100 % beteiligten Gesellschafter-Geschäftsführer entsprechend der vertraglichen Vereinbarung eine Pensionszusage zu, sobald er das 65. Lebensjahr vollendet haben würde. Die Vereinbarung besaß dabei die Besonderheit, dass der Gesellschafter-Geschäftsführer wählen konnte, ob er anstatt einer laufenden Rentenzahlung nicht lieber eine sofortige einmalige Barabfindung seiner Pension in Anspruch nehmen wollte. Da der Gesellschafter-Geschäftsführer nach Vollendung des 65. Lebensjahres nicht in den Ruhestand wechselte, sondern unter Beibehaltung seiner Bezüge weiterhin für die Gesellschaft tätig blieb, entschied er sich - frei nach dem Motto, was man hat, das hat man - für die sofortige Barabfindung seiner Pension.

Der Fiskus sah in dieser Wahlmöglichkeit eine verdeckte Gewinnausschüttung und qualifizierte die Abfindung zum Kapitalwert der Pension entsprechend um. Zwar konnten die Münchener Richter des Bundesfinanzhofes dieser Begründung nicht folgen und beanstandeten weder die Pensionszusage an sich noch die Möglichkeit der sofortigen Abfindungszahlung nach Wahl des Gesellschafter-Geschäftsführers. Dennoch erkannten sie mit Urteil 05.03.2008 (Az: I R 12/07) im Ergebnis - zumindest teilweise - ebenfalls auf eine verdeckte Gewinnausschüttung.

Nach Auffassung der obersten Finanzrichter hätte es nicht zu einer ungekürzten Abfindungszahlung des Barwertes der Pension bei gleichzeitiger Weiterbeschäftigung kommen dürfen, da dies nicht fremdüblich sei. Gegenüber einem Fremden wäre der Barwert der Pension um den kapitalisierten Wert der weiteren künftig ausgezahlten Geschäftsführergehälter gekürzt worden, weswegen in dieser nicht durchgeführten Kürzung der Abfindung eine verdeckte Gewinnausschüttung seitens des Gerichtes gesehen wird.

Hinweis:

Auch wenn das vorliegende Verfahren nicht im Sinne des Steuerpflichtigen entschieden wurde, kann man zukünftig gewiss sein, dass auch bei einem Alleingesellschafter-Geschäftsführer keine steuerlichen Bedenken bestehen, wenn dieser nach freier Entscheidung wählen kann, ob er die Pension in Anspruch nimmt oder sich den kapitalisierten Wert sofort auszahlen lässt. Wichtig ist nur, dass eventuelle weitere Aktivbezüge entsprechend angerechnet werden. Zu beachten ist jedoch, dass das Wahlrecht zwischen der Rentenzahlung oder einer Abfindung der Pension zum Barwert nicht erst kurz vor Eintritt der Pension vereinbart werden kann.

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5. Eltern: Neues Verfahren zum Kindergeld bei studierenden Kindern

Bereits in der Juni-Ausgabe des Mandantenbriefs (7. Beitrag) berichteten wir über zahlreiche anhängige Verfahren vor dem Bundesfinanzhof in Sachen Kindergeld. In der Regel geht es dabei in allen Verfahren darum, ob die Einkünfte und Bezüge des Kindes um bestimmte Beträge gekürzt werden dürfen, damit die Jahresgrenze von 7.680 EUR nicht überschritten wird. Denn nur wenn die Einkünfte und Bezüge des Kindes weniger als 7.680 EUR im Jahr betragen, haben die Eltern Anspruch auf das Kindergeld für den Sprössling.

Mittlerweile ist unter dem Aktenzeichen III R 38/08 ein neues Verfahren beim Bundesfinanzhof anhängig, welches sich mit der Behandlung der vom Kind gezahlten Semesterbeiträge beschäftigt. Dem Verfahren liegt ein Streitfall vor dem Finanzgericht Düsseldorf (Urteil vom 16.04.2008, Az: 9 K 4245/07 Kg) zugrunde, in dem das Finanzamt die Semesterbeiträge nicht als die Einkünfte des Kindes mindernde Werbungskosten anerkennen wollte, weil hierin auch Tickets für öffentliche Verkehrsmittel enthalten sind.

Die erstinstanzliche Entscheidung der Düsseldorfer Richter versetzte dem Finanzamt jedoch einen Dämpfer, da sie die Semesterbeiträge sehr wohl als Werbungskosten akzeptierten. Die Tatsache, dass darin tatsächlich ein Teil der Gebühren für öffentliche Verkehrsmittel enthalten sind, sei unbedeutend, da der Student nicht wählen kann, ob er diesen mit den Semestergebühren verbundenen Vorteile haben will oder nicht.

Hinweis:

In Sachverhalten, in denen bei Berücksichtigung der Semesterbeiträge als Werbungskosten der Grenzbetrag von 7.680 EUR im Hinblick auf die Einkünfte und Bezüge des Kindes unterschritten werden würde, sollte unter Verweis auf das oben genannte Verfahren vor dem Bundesfinanzhof Einspruch beim Finanzamt eingelegt sowie das Ruhen des Verfahrens beantragt werden.

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6. Eltern: Mehr Elterngeld durch Steuerklassenwahl

Eltern erhalten für nach dem 01.01.2007 geborene Kinder Elterngeld für einen Zeitraum von bis zu 14 Monaten. Dieses berechnet sich bei Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit nach dem Nettoeinkommen der letzten 12 Monate vor der Geburt von demjenigen Elternteil, der seine berufliche Tätigkeit für den Bezugszeitraum nicht ausübt. Es beträgt 67 % des bisherigen Nettoeinkommens des erziehenden Elternteils.

Nun können Ehepaare durch die Wahl ihrer Steuerklasse die Höhe des Elterngeldes beeinflussen: Wenn sie vor der Geburt des Kindes beispielsweise von der Lohnsteuerklassenkombination IV/ IV in die Lohnsteuerklassen III/ V wechseln, obwohl der betreuende Elternteil geringere Einnahmen aus seinem Angestelltenverhältnis bezieht als der andere, erhöht sich hierdurch die Höhe des Nettoeinkommens des betreuenden Elternteils als Berechnungsgrundlage für das Elterngeld. Für den weiterhin berufstätigen Elternteil hat dies zwar zunächst den Nachteil, dass sein Nettoverdienst durch einen höheren Lohnsteuerabzug in der Steuerklasse V geringer ist als zuvor in der Steuerklasse IV. Er kann sich jedoch die zu viel einbehaltene Lohnsteuer später im Rahmen der Einkommensteuererklärung zurückholen.

Solchen Gestaltungen, die letztendlich dem Erhalt eines höheren Elterngeldes dienen, wollte das Familienministerium mit einem Erlass vom 18.12.2006 (Az: BMFSFJ/204) einen Riegel vorschieben und sie nicht anerkennen. Die Berechnung des Elterngeldes sollte in „rechtsmissbräuchlichen Fällen“ weiterhin anhand des Nettogehalts vor dem Steuerklassenwechsel erfolgen.

Dementsprechend verfuhren dann letztendlich auch die Elterngeldstellen bei der Vergabe des Elterngeldes - zu Unrecht, wie kürzlich die Sozialgerichte Dortmund (Urteile vom 28.07.2008, Az: S 11 EG 8/07 und S 11 EG 40/07) und Augsburg (Urteil vom 08.07.2008, Az: S 10 EG 15/08) entschieden. Denn der Gesetzgeber habe trotz Kenntnis der Steuerklassen-Wahlmöglichkeit der Ehegatten keine Regelung zum Lohnsteuerklassenwechsel getroffen. Deshalb dürften die das Elterngeld feststellenden Behörden nicht über die „Hintertür“ in Form einer Verwaltungsanweisung eine vom Gesetzgeber nicht geregelte, nachträgliche Einschränkung der Elterngeldhöhe vornehmen.

Tipp:

Sollte die Elterngeldstelle Ihren Steuerklassenwechsel bei der Berechnung des Elterngeldes nicht berücksichtigt haben, legen Sie unter Hinweis auf die o.g. Verfahren innerhalb eines Monats Widerspruch gegen den Elterngeldbescheid ein.


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7. Vermieter: Einkunftserzielungsabsicht bei Zeitmietverträgen

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat kürzlich entschieden, dass bei einem auf bestimmte Zeit eingegangenen Mietverhältnis nicht ohne Weiteres die Einkunftserzielungsabsicht des Vermieters verneint werden kann (Urteil vom 02.04.2008, Az: IX R 63/07).

Die Entscheidung ist vor allem für diejenigen bedeutsam, die Verluste aus der Vermietung einer Immobilie als Werbungskosten geltend machen wollen. Grundsätzlich ist dies möglich, sofern der Vermieter mit dem Wohnobjekt Gewinneinkünfte erzielen will und somit die Investitionen in das Objekt nicht als bloße Liebhaberei anzusehen ist.

Im Streitfall hatte der Vermieter im Jahr 1995 ein ehemaliges Strandcafe erworben. Für den Umbau des Objekts investierte er rund 965.000 DM. 1997 vermietete er einige Zimmer des Gebäudes für einen Zeitraum von fünf Jahren. Die u.a. in den Jahren 1995 bis 1997 aus der Vermietung geltend gemachten Verluste erkannte das Finanzamt wegen fehlender Einkunftserzielungsabsicht nicht an. Schließlich habe der Vermieter die Zimmer befristet vermietet, sodass die Voraussetzungen für einen Werbungskostenabzug, nämlich eine auf Dauer angelegte Vermietung mit dem Ziel, einen Einnahmenüberschuss zu erzielen, nicht gegeben seien.

Die Richter des BFH sahen dies anders: Allein aus dem Umstand, dass der Mietvertrag auf eine bestimmte Zeit abgeschlossen wurde, folge noch keine Befristung der Vermietungstätigkeit, durch die die Einkunftserzielungsabsicht infrage stehen könnte. So könne eine Vermietungstätigkeit auch dann auf Dauer angelegt sein, wenn der ursprüngliche Vertrag - konkludent - verlängert werden soll. Nur wenn Umstände hinzutreten würden, die zusammen mit dem Abschluss des Vertrags auf bestimmte Zeit den Schluss rechtfertigten, der Vermieter habe seine Tätigkeit nicht auf Dauer ausgerichtet, sei die Einkunftserzielungsabsicht infrage gestellt. Eine noch unkonkrete Überlegung einer möglichen Selbstnutzung, die der Vermieter in Betracht zieht, sei steuerrechtlich nicht anders zu bewerten als eine stets bestehende bedingte Veräußerungsabsicht; sie sei somit unbeachtlich.

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8. Kapitalanleger: Steuervorteil durch Verschiebung von Kapitalerträgen

Eine Verschiebung von Kapitaleinkünften nach 2009 in das sogenannte Abgeltungsteuerzeitalter kann in vielen Fällen Sinn machen. Da ab 2009 der einheitliche Abgeltungsteuersatz für Kapitalerträge 25 Prozent beträgt, werden all diejenigen Vorteile einstreichen können, deren persönlicher, progressiver Einkommensteuersatz mehr als die besagten 25 %-Punkte beträgt.

Grundlegend sind jedoch zwei Voraussetzungen zu beachten, damit auch tatsächlich ein Vorteil erzielt wird:

  • Es muss sich um Kapitalerträge handeln, die in 2008 nicht dem Halbeinkünfteverfahren unterliegen.

  • Bei dem Vergleich der Steuersätze muss unbedingt auf den Grenzsteuersatz (und nicht auf den Durchschnittsteuersatz) geachtet werden.

Sofern die Kapitalerträge dem Halbeinkünfteverfahren unterliegen (beispielsweise Dividendenausschüttungen), wird die Verschiebung der Erträge ins Abgeltungsteuerzeitalter in jedem Fall zu einem ungünstigeren Ergebnis führen, wie die folgende Tabelle verdeutlicht:

bisheriges Recht Abgeltungsteuer
Dividende
Halbeinkünfteverfahren
zu versteuern
100,00 EUR
50,00 EUR
50,00 EUR
100,00 EUR

100,00 EUR
Steuerbelastung 42 %
30 %
25 %
21,00 EUR
15,00 EUR
12,50 EUR
25 % 25,00 EUR

Sofern jedoch das Halbeinkünfteverfahren nicht greift, wie beispielsweise bei Zinserträgen aus den verschiedenen Kapitalanlagearten, wird ein Vorteil erreicht, wenn der persönliche Steuersatz über 25 % liegt.

Dabei wird in der Öffentlichkeit häufig auf den Durchschnittsteuersatz abgestellt, was nicht korrekt ist. Als Vergleichskriterium muss der Grenzsteuersatz herhalten. Ein Grenzsteuersatz von 25 % ist dabei bereits ab einem zu versteuernden Einkommen von zirka 15.015 EUR erreicht, während sich der durchschnittliche Steuersatz bei dieser Größenordnung erst bei etwa 10,29 % bewegt.

Hinweis:

Dennoch ist Vorsicht geboten, denn die reine Vertragsänderung einer bereits bestehenden Kapitalanlage in punkto Laufzeit oder Zinsfälligkeit muss aus steuerlicher Sicht nicht unbedingt dazu führen, dass die Zinsen erst später besteuert werden. So wird beispielsweise bei einer Laufzeitverlängerung eines abgezinsten Sparkassenbriefes zum Zeitpunkt der ursprünglichen (tatsächlich nicht stattfindenden) Zinszahlung ein Zinszufluss aus steuerlicher Sicht fingiert. Eine Zinsverschiebung wäre damit misslungen.

Einzelfälle:

Auf- und Abzinsungspapiere

In der Regel beinhaltet ein Auf- oder Abzinsungspapier keine laufende Verzinsung („Zero-Bonds“). Der Ertrag wird durch die Differenz aus Ankaufspreis und Verkaufspreis bzw. Einlösungsbetrag erreicht. Auch Papiere, die vor 2009 gekauft und nach 2008 verkauft oder eingelöst werden, unterliegen beim Verkauf oder Einlösung der Abgeltungsteuer. Unter dem Strich wird der Ertrag somit zur Gänze in die 25 %-ige Abgeltungssteuer geschoben.

Steigende Zinsen/ hinausgeschobene Zinszahlung

Auch werden Zinseinnahmen zumindest teilweise in die Zukunft verlagert, wenn ein steigender Zins vereinbart wird. Ebenso würde ein einjähriges Festgeld mit Zinsfälligkeit in 2009 dazu führen, dass der Zinsertrag unter die Abgeltungsteuer fällt.

Ein identisches Ergebnis kann ebenfalls mit Inhaberschuldverschreibungen erreicht werden, deren nächster Zinskupon erst in 2009 fällig wird. Auch können Gleitzinsanleihen mit einem steigenden Zins ein solches Ergebnis (zumindest teilweise) bringen. (Falls insoweit jedoch eine Finanzinnovation gegeben ist, ist eine Kombination mit einem steuerfreien Emissionsdisagio nicht möglich.)

Stückzinsen und Zwischengewinne

Ein besonderes Schmankerl kann man über den Kauf von Stückzinsen in 2008 erreichen. Diese führen in 2008 zu negativen Einnahmen aus Kapitalvermögen, welche sowohl mit anderen Einkünften aus Kapitalvermögen aber auch mit den übrigen Einkunftsarten verrechenbar sind. Es erfolgt also tatsächlich eine Steuerminderung.

Die Fälligkeit der Stückzinsen in 2009 unterliegt dagegen in vollem Umfang der 25 %-igen Abgeltungsteuer. Das (vereinfacht dargestellte) Beispiel verdeutlicht den Effekt:

Kauf von Stückzinsen in Höhe von 10.000 EUR zum 31.12.2008. Zinsfälligkeit des Papiers ist der 01.01.2009. Der Steuerpflichtige unterliegt dem Spitzensteuersatz.

2008:
gezahlte Stückzinsen
x 42 % Spitzensteuersatz
entspricht einer Steuerminderung
von
- 10.000 EUR


- 4.200 EUR
2009:
Zinszahlung
x 25% Abgeltungsteuer
entspricht einer Besteuerung von
10.000 EUR

2.500 EUR
Steuervorteil 1.700 EUR

Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer sind aus Vereinfachungsgründen nicht berücksichtigt.

Der Vorteil an dieser Gestaltung ist, dass die Finanzverwaltung darin kein Steuerstundungsmodell sieht, wie sie den Bankenverbänden in einem Schreiben vom 14.05.2007 bereits bestätigt hat.

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Hinweis: Die in diesem Mandantenbrief enthaltenen Beiträge sind nach bestem Wissen und Kenntnisstand verfasst worden. Sie dienen nur der allgemeinen Information und ersetzen keine qualifizierte Beratung in konkreten Fällen. Eine Haftung für den Inhalt dieses Informationsschreibens kann daher nicht übernommen werden.


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