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Steuerlexikon

Steuern von A bis Z

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Steuer-Lexikon

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Ausbildungskosten / Weiterbildungskosten: « Vorheriges Thema (Ausbildungsfreibeträge)Nächstes Thema » (Ausbildungskosten / Weiterbildungskosten (ABC))

1. Überblick

Seit dem Veranlagungszeitraum 2004 zählen die Aufwendungen für eine erstmalige Berufsausbildung und ein Erststudium gem. § 12 Nr.5 EStG zu den eigentlich nicht abziehbaren Kosten der privaten Lebensführung. Gleichzeitig wird aber über § 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG ein (beschränkter) Sonderausgabenabzug von bis zu 4.000 EUR für Aufwendungen für die eigene Berufsausbildung zugelassen, wodurch auch die Aufwendungen für eine erstmalige Berufsausbildung und ein Erststudium zumindest teilweise begünstigt werden (§ 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG.V.m. § 12 Nr. 5 EStG).

Zu den Einzelfällen vgl. Ausbildungskosten / Weiterbildungskosten (ABC)

2. Berufsausbildung

Eine Berufsausbildung liegt vor, wenn der Steuerpflichtige eine Ausbildung für einen zukünftigen (erstmaligen oder neuen) Beruf in einem geordneten Ausbildungsgang absolviert. Hierunter ist jede Ausbildung für einen handwerklichen, kaufmännischen, technischen oder wissenschaftlichen Beruf zu verstehen. Grundsätzlich sollen mit der Berufsausbildung die Kenntnisse und Fertigkeiten für einen zukünftigen Beruf vermittelt werden.

Aufwendungen für den Besuch allgemein bildender Schulen sind Kosten der privaten Lebensführung und dürfen daher nicht bei den einzelnen Einkunftsarten abgezogen werden. Der Besuch eines Berufskollegs zum Erwerb der Fachhochschulreife gilt als Besuch einer allgemein bildenden Schule. Dies gilt auch, wenn ein solcher Abschluss, z.B. das Abitur, nach Abschluss einer Berufsausbildung nachgeholt wird. Derartige Aufwendungen können als Sonderausgaben vom Gesamtbetrag der Einkünfte abgezogen werden.

Bei Mal-, Töpfer-, Handwerks-, Bastel-, Sprach- und Fotokursen und Kursen zur Persönlichkeitsbildung liegen regelmäßig keine Berufsausbildungskosten vor.

Besteht zum Zwecke der Ausbildung ein Dienstverhältnis, so sind die Aufwendungen, die im Zusammenhang mit der Ausbildung entstehen, als Werbungskosten abzugsfähig.

Beispiel:
Auszubildende, Rechts- und Studienreferendare, Beamtenanwärter.


3. Abgrenzung Erst-/Zweitausbildung

Eine Erstausbildung im Sinne des § 12 Nr. 5 EStG liegt nur vor, wenn es sich um eine Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf (Ausbildung z.B. nach dem Berufsbildungsgesetz oder der Handwerksordnung) handelt. Dies ist der Fall, wenn der Beruf durch eine Ausbildung im Rahmen eines öffentlich-rechtlich geordneten oder hierzu vergleichbaren Ausbildungsganges erlernt wird und deren Dauer bei einer Vollzeitausbildung mindestens zwei Jahre beträgt. Hieran fehlt es bei der Ausbildung z.B. zum Rettungssanitäter (FG Münster, 06.05.2010 - 3 K 3347/07 F, Revision: VI R 52/10). Gegen nachteilige Bescheide sollte Einspruch eingelegt werden.

4. Berufsfortbildungskosten

Berufsfortbildungskosten liegen vor, wenn die beruflichen Kenntnisse und Fertigkeiten des Steuerpflichtigen erhalten, erweitert oder der Entwicklung der Verhältnisse angepasst werden sollen. Ein durch die Bildungsmaßnahme angestrebter beruflicher Aufstieg gilt ebenfalls als Berufsfortbildung.

Ist einer Berufsausbildung eine abgeschlossene erstmalige Berufsausbildung oder ein abgeschlossenes Erststudium vorausgegangen (weitere Berufsausbildung), handelt es sich bei den durch die weitere Berufsausbildung veranlassten Aufwendungen um Betriebsausgaben oder Werbungskosten, wenn ein hinreichend konkreter, objektiv feststellbarer Zusammenhang mit späteren im Inland steuerpflichtigen Einnahmen aus der angestrebten beruflichen Tätigkeit besteht.

5. Abgrenzung Erst-/Zweitausbildung/-studium

Die Berufsausbildung ist als erstmalige Berufsausbildung anzusehen, wenn ihr keine andere abgeschlossene Berufsausbildung beziehungsweise kein abgeschlossenes berufsqualifizierendes Hochschulstudium vorausgegangen ist. Wird ein Steuerpflichtiger ohne entsprechende Berufsausbildung in einem Beruf tätig und führt er die zugehörige Berufsausbildung nachfolgend durch (nachgeholte Berufsausbildung), handelt es sich um eine erstmalige Berufsausbildung.

Ein Studium i.S.d. § 12 Nr. 5 EStG liegt dann vor, wenn es sich um ein Studium an einer Hochschule i.S.d. § 1 Hochschulrahmengesetzes handelt. Nach dieser Vorschrift sind Hochschulen die Universitäten, die Pädagogischen Hochschulen, die Kunsthochschulen, die Fachhochschulen und die sonstigen Einrichtungen des Bildungswesens, die nach Landesrecht staatliche Hochschulen sind. Gleichgestellt sind private und kirchliche Bildungseinrichtungen sowie die Hochschulen des Bundes, die nach Landesrecht als Hochschule anerkannt werden. Studien können auch als Fernstudien durchgeführt werden.

Studien- und Prüfungsleistungen an ausländischen Hochschulen, die zur Führung eines ausländischen akademischen Grades berechtigen, der nach § 20 HRG in Verbindung mit dem Recht des Landes, in dem der Gradinhaber seinen inländischen Wohnsitz oder inländischen gewöhnlichen Aufenthalt hat, anerkannt wird, sowie Studien- und Prüfungsleistungen, die von Staatsangehörigen eines Mitgliedstaats der EU oder von Vertragstaaten des EWR oder der Schweiz an Hochschulen dieser Staaten erbracht werden, sind nach diesen Grundsätzen inländischen Studien- und Prüfungsleistungen gleichzustellen. Der Steuerpflichtige hat die Berechtigung zur Führung des Grades nachzuweisen. Für die Gleichstellung von Studien- und Prüfungsleistungen werden die in der Datenbank "anabin" (www.anabin.de) der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen beim Sekretariat der Kultusministerkonferenz aufgeführten Bewertungsvorschläge zugrunde gelegt.

Bei einem Wechsel des Studiums ohne Abschluss des zunächst betriebenen Studiengangs, z.B. von Rechtswissenschaften zu Medizin, stellt das zunächst aufgenommene Jurastudium kein abgeschlossenes Erststudium dar. Bei einer Unterbrechung eines Studiengangs ohne einen berufsqualifizierenden Abschluss und seiner späteren Weiterführung stellt der der Unterbrechung nachfolgende Studienteil kein weiteres Studium dar.

6. Positive Rechtsprechungstendenzen

Der BFH hat in einer ersten Entscheidung die gesetzliche Regelung z.T. verworfen (BFH, 18.06.2009 - VI R 14/07). In verfassungskonformer Auslegung stehe § 12 Nr. 5 EStG einem Abzug von Aufwendungen als Werbungskosten für ein Erststudium nach abgeschlossener Berufsausbildung nicht entgegen. Danach müssten alle Steuerbürger, die nach einer abgeschlossenen Ausbildung ein Studium aufnehmen, die Aufwendungen als Werbungskosten ansetzen können. Die Rechtsprechung wird inzwischen von der Finanzverwaltung anerkannt. Das BMF hat mit Schreiben v. 22.09.2010 - IV C 4 - S2227/07/10002:002 zur einkommensteuerlichen Behandlung von Berufsausbildungskosten Stellung genommen. Mit dem Schreiben wird u.a. klargestellt, dass die Aufwendungen für ein Erststudium nach einer abgeschlossenen nichtakademischen Berufsausbildung berücksichtigt werden können (Anwendung der BFH-Rechtsprechung u.a. gem. Urteil vom 18.06.2009 - VI R 14/07). Die Grundsätze dieses Schreibens sind in allen noch offenen Fällen ab dem VZ 2004 anzuwenden.

M.E. muss die Abzugsfähigkeit auch im Fall eines berufsbegleitenden Erststudiums gelten. Das FG Hamburg hat mit Urteil vom 25.11.2009 - 5 K 193/08, entschieden, dass die Kosten eines klassischen Erststudiums nach dem Abitur und ggf. anschließendem Grundwehr- oder Zivildienst nicht als Werbungskosten abzugsfähig sind. Gegen die Entscheidung wurde Revision eingelegt, die unter dem Az. VI R 7/10 beim BFH geführt wird.

7. Umfang des Kostenabzugs

Im Rahmen der o.g. Höchstbeträge sind folgende Aufwendungen als Ausbildungskosten abzugsfähig:

  • Schul-, Studien-, Lehrgangs-, Veranstaltungs- und Prüfungsgebühren,

  • Aufwendungen für Lernmaterial, Fachbücher, Druck- und Kopierkosten,

  • Wird die Ausbildungsstätte an mehr als zwei Tagen wöchentlich aufgesucht, liegt eine einheitliche Dienstreise vor. Soweit die Bildungsmaßnahme in diesem Fall länger als 3 Monate dauert, wird die Bildungsstätte nach Ablauf von 3 Monaten zur (weiteren) regelmäßigen Arbeitsstätte. Fahrtkosten können dann für Fahrten zwischen Wohnung und Ausbildungsort nur noch m Rahmen der für Fahrten Wohnung - Arbeitsstätte geltenden Pauschale berücksichtigt werden (0,30 EUR / Entfernungskilometer),

  • Kosten der auswärtigen Unterbringung und Verpflegung (BFH, 20.03.1992 - VI R 40/89, BStBl II 1992, 1033),

  • Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer (BFH, 22.06.1990 - VI R 2/87, BStBl II 1990, 901). Bei den Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer gelten die durch das JStG 1996 getroffenen Einschränkungen (Höchstbetrag = 1.250 EUR) sinngemäß (§ 10 Abs.1 Nr. 7 EStG). Ab 2007 ist ein Kostenabzug nur noch möglich, wenn sich das Arbeitzimmer als Mittelpunkt der gesamten Tätigkeit, z.B. bei einem Fernstudium, darstellt.

Hinweis:
Steuerfreie Leistungen, die zur unmittelbaren Förderung der Weiterbildung oder Ausbildung gewährt werden (z.B. nach dem BAföG), vermindern die abzugsfähigen Sonderausgaben.


Anders als beim Werbungskostenabzug sind im Rahmen des Sonderausgabenabzugs (auch) bei Ledigen (auch ab VZ 2004) Aufwendungen für die auswärtige Unterbringung abzugsfähig (BFH, 20.03.1992 - VI R 40/89, BStBl II 1992, 1033). Für den Abzug von Aufwendungen für eine auswärtige Unterbringung als Sonderausgaben ist nicht erforderlich, dass die Voraussetzungen einer doppelten Haushaltsführung vorliegen. In § 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG sind ausdrücklich Aufwendungen für eine auswärtige Unterbringung genannt und nicht für eine doppelte Haushaltsführung. Die angeordnete Anwendung des § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 EStG bzw. § 9 Abs. 2 EStG gilt nur für die Ermittlung der Aufwendungen der Höhe nach.

8. Nachlaufende Studiengebühren

Studienbeiträge für ein Erststudium, die erst nach dem Studium fällig werden oder deren Fälligkeit aufgrund einer gesetzlichen Regelung auf die Zeit nach Beendigung des Studiums verschoben wird (= nachlaufende Studiengebühren), fließen steuerlich erst im Zeitpunkt der Entrichtung ab und können dementsprechend erst im VZ der tatsächlichen Zahlung als Sonderausgaben abgezogen werden. Der Sonderausgabenabzug wirkt sich somit nur aus, wenn im Jahr der Rückzahlung steuerpflichtige Einkünfte erzielt werden.

Wird das Erststudium im Rahmen eines Dienstverhältnisses absolviert, sind die Studiengebühren als Werbungskosten abziehbar. Insoweit können Beträge, die sich im Jahr der Entstehung mangels steuerpflichtiger Einkünfte nicht auswirken, im Wege des Verlustvortrags in späteren Jahren vom Gesamtbetrag der Einkünfte abgezogen werden. Nachlaufende Studiengebühren werden im Jahr der tatsächlichen Zahlung steuermindernd berücksichtigt.


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